
Berufsunfähigkeit wegen Morbus Crohn
Autor:
Jürgen Wahl
Veröffentlich am:
15. Dezember 2025
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Das Wichtigste in Kürze
- Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die in Schüben verläuft und zu erheblichen körperlichen Einschränkungen führen kann.
- Wenn die Beschwerden trotz Behandlung anhalten, kann die Erkrankung eine Berufsunfähigkeit begründen, abhängig vom individuellen Krankheitsverlauf und den beruflichen Anforderungen.
- Versicherungen lehnen Anträge häufig ab, etwa wegen vermeintlich fehlender Nachweise oder unzureichender Gutachten.
- Eine lückenlose medizinische Dokumentation, klare Kommunikation mit Ärzten und das Einhalten aller Fristen sind entscheidend für den Erfolg des Leistungsantrags.
- Bei einer Ablehnung oder Unsicherheiten sollte frühzeitig fachkundige rechtliche Unterstützung in Anspruch genommen werden.
Morbus Crohn – was verbirgt sich hinter dieser Erkrankung?
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann. Die Entzündungen der Schleimhaut führen häufig zu starken Beschwerden wie krampfartigen Bauchschmerzen, anhaltendem Durchfall, Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und ausgeprägter Müdigkeit. Typisch ist, dass die Krankheit in Schüben verläuft: Auf beschwerdefreie Phasen folgen immer wieder Zeiten mit deutlichen Entzündungssymptomen.
Oft wird Morbus Crohn gemeinsam mit der Darmerkrankung Colitis ulcerosa genannt, da sich die Symptome ähneln. Im Unterschied dazu ist bei Colitis ulcerosa jedoch ausschließlich der Dick- und Enddarm betroffen. Die genaue Ursache von Morbus Crohn ist bis heute nicht eindeutig geklärt, Fachleute gehen jedoch davon aus, dass eine Kombination aus genetischen, immunologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.
Morbus Crohn im Überblick
Typische Symptome
Morbus Crohn zeigt sich meist durch Bauchschmerzen (häufig im rechten Unterbauch), chronische Durchfälle mit Schleim oder Blut, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Fieber und Appetitlosigkeit. Auch Fisteln oder Abszesse sind typisch. Die Beschwerden treten in Schüben auf und können den Alltag stark einschränken, im Ernstfall bis hin zur Berufsunfähigkeit.
Ursachen & Risikofaktoren
Die genaue Ursache ist unklar. Vermutlich wirken mehrere Faktoren zusammen: eine fehlgeleitete Immunreaktion, genetische Veranlagung und Umweltfaktoren, besonders Rauchen erhöht das Risiko deutlich.
Diagnose
Zur Diagnose werden Blut- und Stuhluntersuchungen, eine Koloskopie mit Gewebeprobe sowie bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall eingesetzt.
Behandlung
Ziel ist es, Entzündungen zu kontrollieren und Schübe zu reduzieren. Behandelt wird meist mit Entzündungshemmern, Immunsuppressiva oder Biologika. In bestimmten Fällen kommen Ernährungstherapien oder Operationen hinzu.
Verlauf
Morbus Crohn ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Viele Betroffene können mit moderner Therapie ein weitgehend normales Leben führen.
Wenn Morbus Crohn zur Berufsunfähigkeit führt

Wenn die Beschwerden trotz moderner Behandlung bestehen bleiben und den Alltag dauerhaft beeinträchtigen, kann Morbus Crohn zur Berufsunfähigkeit führen. Ob ein Anspruch auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung besteht, hängt jedoch immer vom Einzelfall und den konkreten Versicherungsbedingungen ab.
In der Regel gilt:
Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf aufgrund der Erkrankung voraussichtlich dauerhaft (mehr als 6 Monate) zu mehr als 50 % nicht mehr ausgeübt werden kann. Entscheidend ist also, wie stark die Krankheit die täglichen Anforderungen im jeweiligen Beruf einschränkt.
Ein Beispiel:
Wer in seinem Beruf viel Kundenkontakt hat oder häufig unterwegs ist, etwa als Außendienstmitarbeiter, kann durch die typischen Beschwerden wie Durchfälle, Schmerzen oder Erschöpfung schnell an seine Grenzen stoßen. In solchen Fällen wird eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit häufiger anerkannt. Wer dagegen überwiegend selbstbestimmt arbeitet und sich die Zeit flexibel einteilen kann, etwa im Homeoffice, hat oft bessere Möglichkeiten, sich den Beschwerden anzupassen.
Eine pauschale Aussage ist daher nicht möglich, jeder Fall muss individuell geprüft werden. Dabei spielen sowohl die Stärke der Symptome als auch die verbleibenden Therapiemöglichkeiten eine Rolle.
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Wenn die BU-Versicherung aufgrund von Morbus Crohn ablehnt
Trotz klarer gesundheitlicher Einschränkungen lehnen viele Versicherungen Anträge auf Leistungen wegen Berufsunfähigkeit zunächst ab, auch bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn. Die Begründungen sind oft formal oder medizinisch fragwürdig. Umso wichtiger ist es, die Entscheidung genau zu prüfen und die eigenen Rechte zu kennen.
Häufige Ablehnungsgründe
Versicherer berufen sich häufig auf vermeintlich fehlende Nachweise oder eine angeblich zu geringe Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Typische Argumente sind:
Solche Begründungen sind nicht selten unzutreffend oder zu pauschal, gerade bei Erkrankungen wie Morbus Crohn, deren Verlauf stark schwanken kann.
Als Versicherungsnehmer haben Sie das Recht auf eine umfassende und faire Prüfung Ihres Leistungsantrags. Die Versicherung muss ihre Entscheidung nachvollziehbar begründen und darf nicht allein aufgrund von Vermutungen ablehnen. Sie können gegen die Ablehnung weitere ärztliche Unterlagen oder Gutachten nachreichen.
Wichtig ist, dass Sie alle Schritte gut dokumentieren, insbesondere Arztberichte, Therapieverläufe und Beeinträchtigungen im Berufsalltag. Diese Nachweise sind entscheidend, um den Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente zu untermauern.
Tipps für Betroffene: So verbessern Sie Ihre Chancen
Wer aufgrund von Morbus Crohn Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt, sollte gut vorbereitet sein. Eine klare und vollständige Dokumentation kann entscheidend dafür sein, ob die Versicherung den Antrag anerkennt oder ablehnt. Mit den folgenden Tipps erhöhen Sie Ihre Erfolgsaussichten deutlich.
Lückenlose medizinische Dokumentation
Führen Sie von Beginn an eine vollständige Sammlung aller relevanten Unterlagen, etwa Befunde, Krankenhausberichte, Laborwerte und Gutachten. Wichtig ist, dass die Schwere und Häufigkeit der Krankheitsschübe sowie die Auswirkungen auf Ihren Berufsalltag nachvollziehbar dargestellt sind. Auch eine ärztliche Einschätzung zur voraussichtlichen Dauer der Beschwerden kann den Antrag erheblich stärken.
Kommunikation mit Ärzten und Versicherern
Sprechen Sie offen mit Ihren behandelnden Ärzten über Ihre beruflichen Einschränkungen. Nur wenn Ihre Ärzte wissen, wie stark Morbus Crohn Ihren Arbeitsalltag beeinträchtigt, können sie dies in ihren Attesten entsprechend festhalten.
Im Kontakt mit der Versicherung sollten Sie ruhig, sachlich und präzise antworten und keine medizinischen Angaben „schönreden“. Jede Ungenauigkeit kann später gegen Sie verwendet werden.
Fristen und formale Anforderungen
Achten Sie unbedingt auf die im Vertrag genannten Nachweispflichten. Wird ein Termin versäumt oder eine geforderte Unterlage zu spät eingereicht, kann die Versicherung den Antrag ablehnen. Lesen Sie die Schreiben Ihrer Versicherung daher sorgfältig und lassen Sie sich im Zweifel von uns beraten.
Wann anwaltliche Unterstützung sinnvoll ist

Spätestens wenn die Versicherung ablehnt oder den Fall hinauszögert, sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen. Ein spezialisierter Anwalt prüft, ob die Ablehnung rechtmäßig ist und setzt Ihre Ansprüche notfalls gerichtlich durch.
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